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Arbeitsmigranten aus Südosteuropa

Workshop fuer Integrationshelfer: Foto: Landkreis Oldenburg

Eingeladen zu dem Workshop waren pädagogische Fachkräfte aus Weiterbildungseinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen mit einem hohen Anteil von Kindern nicht deutscher Muttersprache, Integrationsfachkräfte. Foto: Landkreis Oldenburg

10. Oktober 2018

Onlineredaktion: Cornelia Schröder

Erster Workshop zu Arbeits- und Lebensbedingungen im Landkreis Oldenburg

Zuwanderung prägt den Landkreis Oldenburg. Arbeitsmigranten aus Südost- und Osteuropa (Bulgarien, Polen, Rumänien) sind zahlenmäßig die größte Gruppe von Zugewanderten. „Über ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen haben wir nur ausschnitthafte Kenntnisse", sagt Ute Frankenfeld, Integrationsbeauftragte des Landkreises Oldenburg. „Aus diesem Grund haben wir vom Bereich Integration im September einen Workshop veranstaltet", ergänzt Frankenfeld

Oldenburg | Landkreis Oldenburg  - Eingeladen waren pädagogische Fachkräfte aus Weiterbildungseinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen mit einem hohen Anteil von Kindern nicht deutscher Muttersprache, Integrationsfachkräfte aus den Gemeinden und aus der Landkreisverwaltung, aus der Jugendarbeit sowie aus Beratungsstellen. Ziel war es, das Wissen, das diese teils muttersprachlichen Fachkräfte aus Kontakten mit dieser Zuwanderungsgruppe haben, zusammenzutragen und eine Bestandsaufnahme zu erstellen. Der Workshop diente außerdem dazu, die Akteure untereinander besser zu vernetzen.

Rund 40 Fachkräfte nahmen an dem Workshop im Karkenhus in Großenkneten teil, die zu den Themen Arbeit, Schule und Bildung, Familie, Wohnen und Leben ihre Erfahrungen an Thementischen zusammentrugen und dabei Ergebnisse formulierten.

Arbeitsmigranten, die im vergangenen Jahrzehnt in den Landkreis Oldenburg eingewandert sind, arbeiten überwiegend in der Fleischverarbeitung, als Erntehelfer oder im Baugewerbe. Sie verrichten dabei oft schwere Arbeit im Wechselschichtsystem zu oftmals geringen Löhnen. Ein Teil der Beschäftigten lebt in von den Firmen vermittelten oder gestellten Unterkünften. Diese Koppelung der Unterkunft an das bestehende Beschäftigungsverhältnis bedeutet im Falle einer Kündigung nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch der Wohnmöglichkeit.

Zahlreiche Arbeitsmigranten sind wegen umfangreicher Arbeitszeiten im Wechselschichtsystem nicht in der Lage, die deutsche Sprache zu erlernen. Diese Situation verzögert die Integration der Beschäftigten und ihrer Kinder in die hiesige Gesellschaft. Die Eltern wiederum sind zumeist nicht mit dem deutschen Schul- und Ausbildungssystem vertraut und können ihre Kinder somit bei der schulischen und beruflichen Entwicklung nicht unterstützen.

Kitaeinrichtungen, die entscheidend für die vorschulische Sprachförderung sind, werden teils nicht in Anspruch genommen. Fehlende personelle Ressourcen in Kitaeinrichtungen und Schulen erschweren wiederum die Integration der neuzugewanderten Kinder und Jugendlichen und beschränken die Elternarbeit. Zudem ist Zugang zum Gesundheitssystem wegen sprachlicher Barrieren in der Regel ebenfalls erschwert. Dies betrifft etwa den Zugang zu Hebammen oder zu Impfungen.

„Es ist wichtig, die neuzugewanderten Eltern und ihre Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zu fördern, um Partizipation und Integration zu ermöglichen", sagt Dr. Brigitte Brück, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte des Landkreises Oldenburg. „Dieser Workshop mit den teils bulgarisch, polnisch und rumänisch sprachigen Fachkräften hat einen ersten Einblick in die Lebenssituation Arbeitsmigranten ermöglicht und eine Vernetzung der Fachkräfte unterschiedlicher Institutionen befördert," so Dr. Brück. Nach Abschluss der Bestandsaufnahme an den Thementischen wurden Ideen und Vorschläge zusammengetragen, notiert und diskutiert, wie Lösungsansätze aussehen könnten.

Ein hohe Priorität besitzt die Information der Öffentlichkeit. Es geht darum die Proble­matiken sichtbar und publik zu machen. Nicht nur der breiten Öffentlichkeit, sondern besonders auch den gewählten politischen Vertreterinnen und Vertretern.

Bildungseinrichtungen, die einen hohen Anteil von Kindern mit nicht deutscher Mutter­sprache betreuen, sehen sich für die Herausforderungen ihrer Arbeit nicht ausreichend ausgestattet. Die pädagogischen Fachkräfte in diesen Einrichtungen berichteten von Betreuungsschlüsseln, die seit zwanzig Jahren nicht angepasst wurden und struktureller Überlastung. Hinzu kommt der Mangel an qualifiziertem Personal, der es erschwert, freie Stellen zu besetzen. Mehr Dolmetscher/Innen, Pädagog/Innen und Fachkräfte halten sie für unverzichtbar, um eine gute Sprach- und Entwicklungsförderung bei Kindern sowie Elternarbeit leisten zu können.

Den Workshop-Teilnehmenden ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Integrationsarbeit ein großes Anliegen. In diesen Kontext gehört auch die Weiterentwicklung des Integrationskonzepts durch die Kreisverwaltung und die institutionalisierte Vernetzung der Fachkräfte in Kooperation mit dem Landkreis, wie im Workshop erstmalig geschehen.

Abschließend machten die Teilnehmenden des Workshops auf die Dringlichkeit eines flächendeckenden Sozialen Wohnungsbaus wie auch auf die Einbindung weiterer Akteure aufmerksam. Hier wurden in erster Linie die Betroffenen selbst, die fleischverarbeitenden Betriebe und die Landesschulbehörde genannt.

Kontakt:

Landkreis Oldenburg

Büro des Landrates

Delmenhorster Str. 6

27793 Wildeshausen

                                                        

 


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