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Corona-Pandemie trifft oldenburgische Wirtschaft stärker als die Finanzkrise

Konjunkturumfrage der IHK Foto: Pixabay

Oldenburg | Redaktion CS

Die Unternehmen im Oldenburger Land sind von der Corona-Pandemie deutlicher stärker betroffen als durch die Auswirkungen der Finanzkrise im Jahr 2009. Das zeigt die aktuelle Auswertung der Konjunkturumfrage im ersten Quartal 2020 der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) auf Basis von rund 300 Unternehmensantworten. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Stimmung der regionalen Unternehmen wiedergibt, fällt fast um die Hälfte von 106,2 Punkte auf aktuell 55,3 und ist damit deutlicher geringer als zum Höhepunkt der Finanzkrise (erstes Quartal 2009: 73,3 Punkte). Niedersachsenweit fällt die Stimmung auf 47,9 Punkte.

Viele Betriebe erwarten hohe Umsatzrückgänge. Foto: Pixabay

Auswirkungen der Pandemie werden noch lange spürbar sein

„Vor allem Einzel- sowie Großhändler bewerten ihre aktuelle Lage als sehr schlecht", kommentiert Dr. Thomas Hildebrandt, IHK-Hauptgeschäftsführer, das Ergebnis der Umfrage. Einzelhändler waren größtenteils von der Schließung ihrer Läden betroffen, und Großhändler, insbesondere der Exportgroßhandel, leiden unter der Unterbrechung der internationalen Lieferketten. Erhebliche Einbußen haben auch die Tourismus- und Gastronomiebetriebe erlitten, denen zudem weiterhin eine Perspektive für eine Wiederaufnahme ihrer Geschäfte fehlt. Auch im Transport- und Logistikgewerbe überwiegen die Negativ-Meldungen deutlich. Warentransporte und Personalbeförderung sind größtenteils zum Erliegen gekommen. Die Dienstleister sind nicht ganz so kritisch: 24 Prozent bewerten die aktuelle Lage als gut, 30 Prozent als schlecht. So bekommen unternehmens- sowie personenbezogene Dienstleister die negativen Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Hierzu zählen insbesondere der Messebau und die Eventbranche, die praktisch zum Erliegen gekommen sind. Wirtschaftsprüfer und Steuerberatungen hingegen stehen einer erhöhten Beratungsnachfrage gegenüber.

QR Code zur Wardenburg App+Die regionalen Industrieunternehmen sind weniger stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen als die anderen Branchen und auch im Vergleich zu den Industrieunternehmen in Niedersachsen stehen sie besser dar. „Grund dürfte die starke Stellung des hiesigen Ernährungsgewerbes sein, das weniger von der Pandemie betroffen ist, und somit die Auswirkungen auf das Oldenburger Land abfedert", erklärt Hildebrandt. Maschinenbauunternehmen und Zulieferer für die Automobilindustrie bewerten ihre Lage hingegen als schlecht. Das Baugewerbe ist die einzige Branche, die die aktuelle Situation als überwiegend gut beschreibt.

Jedes dritte Unternehmen rechnet mit Umsatzrückgängen zwischen 10 und 25 Prozent, je nach Branche aber mit unterschiedlichem Anteil: Im Einzelhandel ist es jedes zweite Unternehmen, in der Industrie jedes vierte. Mit überdurchschnittlich hohen Umsatzeinbußen muss das Hotel- und Gastgewerbe rechnen. Hier erwarten die meisten Betriebe Rückgänge von mehr als 50 Prozent bis hin zum wirtschaftlichen Totalausfall. Im Vergleich zu den anderen Branchen erwartet eine recht hohe Anzahl von Unternehmen aus dem Großhandel und dem Verkehrsgewerbe einen Umsatzrückgang von über 50 Prozent. Allerdings kann zurzeit fast jedes vierte Unternehmen noch keine endgültige Einschätzung abgeben.

Die umfangreichen Unterstützungsmaßnahmen auf Bundes- und Landesebene helfen den Unternehmen in der Krise. Vor allem das Kurzarbeitergeld – und für kleinere Unternehmen – die Überbrückungshilfen durch Zuschüsse stehen hoch im Kurs. Die gerade beschlossenen Steuererleichterungen sind ebenfalls für die Unternehmen eine große Hilfe. „Allerdings drängen wir schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass die deutschen Steuersätze auch international mithalten müssen ", sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Hier habe die Bundesregierung schnell nachzubessern, um die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich wiederherzustellen. Immerhin: 31 Prozent der befragten Betriebe planen, keine Unterstützungsmaßnahmen zu beantragen.

Über 34 Prozent berichten von Liquiditätsengpässen, im Einzelhandel ist es jeder Zweite. Hier ist auch der Anteil derjenigen am Höchsten, der schon jetzt im April Engpässe spürt. Die übrigen Branchen erwarten dies im Mai. „Die Auswirkungen der Pandemie sind in ihrem ganzen Ausmaß derzeit noch nicht vollständig abschätzbar und werden noch in den nächsten Monaten deutlich zu spüren sein", beschreibt Hildebrandt die Verunsicherung in den Unternehmen. 72 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich in den nächsten Monaten die wirtschaftliche Situation eher ungünstiger entwickeln wird. Nur knapp acht Prozent bleiben optimistisch. Geplante Investitionen werden zurückgestellt. 35 Prozent der Betriebe rechnen damit, die Beschäftigung in den kommenden Monaten abzubauen, 57 Prozent wollen das Personal halten, nur 7 rechnen mit einem Beschäftigungsplus.

„Die Politik muss in den kommenden Wochen Schritte unternehmen, die Wirtschaft wieder behutsam hochzufahren – unter Beachtung der aktuellen Virus-Verbreitung", sagt Hildebrandt. „Vor allem die Tourismus- und
Gastronomiebetriebe brauchen dringend einen klaren Fahrplan, wann sie unter welchen Bedingungen wieder starten können. Wir alle sind aber auch als Kunden gefordert: Mit Disziplin und Solidarität können wir dazu
beitragen, diese für viele Betriebe existenzbedrohende Krise abzumildern", so Hildebrandt. Die IHK Niedersachsen habe ein Impulspapier veröffentlicht, wie ein Wiederanfahren der Wirtschaft gelingen kann. Wünschenswert wäre ein bundeseinheitliches Vorgehen, alles andere führe zu Wettbewerbsverzerrungen, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Weitere Details zur Konjunkturumfrage, auch zu einzelnen Branchenergebnissen: www.ihk-oldenburg.de/konjunkturumfrage


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