.

Bewertungsportal yelp darf weiterhin aussortieren

Bewertungen im Internet - Landkreis Kurier - Foto: Pixabay

14.01.2020 • Deutschland | Redaktion GrAbo


Auf der Internet-Plattform yelp können Nutzerinnen und Nutzer Unternehmen, Dienstleister, Geschäfte und Restaurants mit Texten und Sternen bewerten. Eine Unternehmerin hat das Bewertungsportal Yelp verklagt. Yelp ermittelt durch eine automatisierte Auswahl Bewertungen. Da die Ermittlung der Bewertungen so für den Kunden nicht nachvollziehbar ist, hielt eine Unternehmerin dies für unfair und hat geklagt.

Das Onlinebewertungsportal yelp darf seine in Sternen ausgedrückte Gesamtbewertung von Unternehmen weiter auf eine automatisierte Auswahl stützen. So urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe im Streit zwischen einer Betreiberin mehrerer Fitnessstudios und der Bewertungsplattform. Die Unternehmerin Renate Holland aus München, hatte gegen das Bewertungsportal geklagt, da sie das Benotungssystem unfair fand.

Renate Holland hat zunächst vor dem Oberlandesgericht (OLG) München im Jahre 2018 Recht bekommen nachdem das Landgericht die Klage zunächst 2016 abgewiesen hatte. Die Richter am Oberlandesgesircht haben 2018 jedoch entschieden, durch das Aussortieren vieler Nutzereinträge entstehe kein hilfreiches, sondern ein verzerrtes, nicht transparentes Bewertungsbild. Da Bewertungen an Wichtigkeit im Onlinehandel zugenommen haben und negative Bewertungen gravierende Folgen für die betroffenen Unternehmen haben, wurde Renate Holland Schadenersatz zugesprochen. Außerdem wurde yelp untersagt, die Studios der Klägerin weiter nach dem bisherigen Verfahren zu bewerten.

Heute jedoch hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil des Oberlandesgerichts München einkassiert. Nach Überzeugung des BGH-Senats überwiegen die rechtlich geschützten Interessen der Klägerin nicht die schutzwürdigen Belange des Betreibers yelp.


Die Einstufung von Bewertungen, die auf yelp gemacht werden, in "empfohlen" und "nicht empfohlen" sei durch die Berufs- und Meinungsfreiheit geschützt. "Ein Gewerbetreibender muss Kritik an seinen Leistungen und die öffentliche Erörterung geäußerter Kritik grundsätzlich hinnehmen", sagte der vorsitzende Richter S.Seiters.


Fälschungen und Gefälligkeitsbewertungen sollen aussortiert werden


User können bei Yelp Restaurants, Dienstleister und Geschäfte bewerten. Dabei sind 1 - 5 Sterne zu vergeben. Zusätzlich kann man einen Text schreiben. In die Gesamtbewertung fließen aber nicht alle Beurteilungen ein. Eine automatisierte Software identifiziert dafür die "empfohlenen Beiträge", die Yelp für besonders hilfreich oder authentisch hält. Zu den Auswahlkriterien gehören laut Yelp beispielsweise die Qualität, die Vertrauenswürdigkeit und die bisherige Aktivität des Nutzers. Der Filter soll Fälschungen und Gefälligkeitsbewertungen aussortieren. Aber auch Beiträge von Nutzern, die man nicht gut genug kenne und daher nicht empfehle, werden aussortiert.
"Meine Studios leiden darunter", so Klägerin Renate Holland im November. 2019. Auch wolle sie sich ihre gute Arbeit und damit ihr Lebenswerk nicht durch unklare Bewertungen zerstören lassen. „Die Betreiber von Yelp kennen doch ihren eigenen Algorithmus nicht", sagte sie zur Verhandlung.


Yelp teilte mit, dass im Durchschnitt drei Viertel aller Beiträge als empfohlen eingestuft würden. Bei Renate Holland allerdings wurde im Februar 2014 eines ihrer Studios auf Grundlage von nur zwei Bewertungen mit zweieinhalb Sternen benotet. 74 überwiegend sehr positive Beiträge blieben unberücksichtigt. Normalerweise hätte sie vier bis viereinhalb Sterne in jedem Studio, sagte Holland. Beiträge, die Yelp nicht empfiehlt, können zwar weiterhin gelesen werden, dazu müssen Nutzerinnen und Nutzer jedoch auf der Seite nach unten scrollen und dort einen Link anklicken.


Nach Angaben von Stephan Zimprich, Anwalt von Yelp gehen andere Anbieter ebenso vor. Es sei wichtig, dass ein Mechanismus existiere, der „die Guten" von „den Schlechten" trenne, da sonst der Verbraucher der Manipulation im Internet schutzlos ausgeliefert. Nur wenige der Kriterien, nach denen "empfohlene Beiträge" ausgewählt werden, macht Yelp öffentlich. Nach Aussage des Yelp-Anwalts ginge dies auch nicht anders. Denn wer weiß, wie gefiltert wird, kann Techniken entwickeln und so dafür sorgen, dass auch manipulierte Beiträge so manipuliert werden, dass sie durch den Filter passieren.


Bisheriger Prozessverlauf:
Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht hat die Beklagte verurteilt, es zu unterlassen, im Gebiet der Bundesrepublik auf ihrer Internetseite für die Fitness-Studios eine Gesamtbewertung oder eine Gesamtzahl der Bewertungen auszuweisen, in die Beiträge (Bewertungen), die von Nutzern der vorgenannten Internetseite abgegeben worden waren und welche die Beklagte als „momentan nicht empfohlen" wertet, nicht einbezogen werden. Außerdem hat das Oberlandesgericht die Verpflichtung der Beklagten zum Ersatz entstandenen sowie noch entstehenden Schadens festgestellt. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt die Beklagte ihren Antrag auf Zurückweisung der Berufung weiter.


Vorinstanzen:
Landgericht München – Urteil vom 12. Februar 2016 – 25 O 24644/14
Oberlandesgericht München – Urteil vom 13. November 2018 – 18 U 1280/16

Weitere Informationen sowie die Begründung des BGH finden Sie hier unter https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Termine/DE/Termine/VIZR495-18.html

Foto Quelle: Pixabay

                                             


Anzeige

sanguinum Stoffwechselkur in Oldenburg mit HP Anja Wilkens https://www.heilpraxis-wilkens.de/meine-praxis/sanguinum-kur/


.

xxnoxx_zaehler