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Konfliktschlichtung e.V. veröffentlicht Jahresbericht 2019

Konfliktschlichtung e.V. veröffentlicht Jahresbericht 2019. Auf dem Foto eine Mediatorin in Aktion.

Oldenburg | Redaktion CS

Der Verein Konfliktschlichtung hat seinen Jahresbericht 2019 für dien Täter-Opfer-Ausgleich (Mediation in Strafsachen) erstellt. Für die Mediation in Strafsachen ist der Verein in der gesamten Region (Landgerichtsbezirk Oldenburg) zuständig und wird von vielen Konfliktbeteiligten in Anspruch genommen. Das Spektrum an Fällen war breit aufgestellt im letzten Jahr, wie die Bilanz zeigt.

Konfliktschlichtung e.V. veröffentlicht Jahresbericht 2019. Auf dem Foto ist eine Mediatorin in Aktion.  Foto: Konfliktschlichtung e.V.

Breites Spektrum an Fällen im letzten Jahr

Ein Fallbeispiel aus der Mediation in Strafsachsen aus dem Verein Konfliktschlichtung: Eine Mitarbeiterin einer Tankstelle wird abends nach Dienstantritt von einem jungen maskierten Mann in der Tankstelle überfallen und mit einem Messer bedroht. Er forderte die Herausgabe der Tageseinnahmen. Sie gab das Geld heraus und er verschwand. Nach dem Vorfall hat sich ihr Leben komplett verändert. Sie hatte ihre gewohnte Sicherheit verloren, es taten sich viele Fragen auf und sie war nicht mehr arbeitsfähig. Nachdem das Strafverfahren eröffnet wurde kommt es unter Beteiligung des Oldenburger Vereins „Konfliktschlichtung" zu einem Täter-Opfer-Ausgleich.

Beide Beteiligten wollten die persönliche Aussprache. In einem gemeinsamen Gespräch unterstützt durch eine Mediatorin, konfrontiert die Frau den Täter mit den Folgen der Tat und stellte ihm viele Fragen. Der Täter realisiert das Ausmaß der von ihm zugefügten Schädigungen, möchte Verantwortung dafür übernehmen und wiedergutmachen. Er entschuldigt sich aufrichtig bei der Frau, beantwortete so gut es ihm möglich war ihre Fragen und zahlte ihr ein angemessenes Schmerzensgeld. Die Frau fühlte sich verstanden und in ihrer persönlichen Stabilität wiederhergestellt. Sie sagte uns: "ohne das gemeinsame Gespräch mit dem Täter hätte ich wahrscheinlich immer noch Angst und könnte meiner Arbeit nicht nachgehen. Das hat sich nach dem Gespräch verändert. Es war sehr schlimm für mich, in welche Situation der Täter mich gebracht hat, aber ich konnte alles loswerden an die Adresse, die es angeht. Dieses Gespräch war sehr wichtig für mich und ich fühlte mich verstanden". Der Täter sagte uns: „an dem Tag des Vorfalls hatte ich keinen guten Start und alles ging schief, was schiefgehen konnte. Ich brauchte dringend Geld, um Schulden zu begleichen. Jetzt im Nachhinein ist es mir äußerst peinlich es ist mir wichtig, dass die Frau weiß, dass ich sie nicht persönlich gemeint habe und es Zufall war, dass es sie getroffen hat. Es tut mir alles sehr leid. Ich kann es nicht ungeschehen machen, aber zumindest einen Teil wiedergutmachen. Ich bin froh, dass ich den Täter-Opfer-Ausgleich gemacht habe, vorher wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt".

Der Täter-Opfer-Ausgleich im Strafverfahren ist ein Schwerpunkt der Tätigkeit des Vereins, den es in Oldenburg seit 1987 gibt. Der Ausgleich ist ein Angebot an Beschuldigte und Geschädigte, die erlebte Straftat und ihre Folgen mit Hilfe eines neutralen Vermittlers/in eigenverantwortlich zu bearbeiten. Jede Person, die sich in einem strafrechtlichen Konflikt befindet, kann sich jederzeit an den Verein wenden. Dabei können Betroffene einer Straftat im freiwilligen Verfahren Ängste und traumatische Erlebnisse verarbeiten. „Es geht um Befriedung der ver-letzten Gefühle, Bedürfnisse und Interessen, Verantwortungsübernahme für sich selbst", beschreibt Veronika Hillenstedt, Geschäftsführerin des Vereins, das zentrale Anliegen der Konfliktbeteiligten in der Mediation in Strafsachen.

Im Jahr 2019 haben wir mit 724 Konfliktbeteiligten im Täter-Opfer-Ausgleich gearbeitet. Davon waren 625 direkt und 99 indirekt Konfliktbeteiligte. Von den 625 Konfliktbeteiligten waren 284 Beschuldigte und 341 Geschädigte. Die indirekten 99 Konfliktbeteiligten verteil-ten sich auf Familienangehörige z.B. Eltern, Großeltern, Geschwister, Betreuungspersonen, von Konfliktparteien beauftragte Rechtsanwälte, Dolmetscher und Personen des nahen sozialen Umfelds. Am klassischen Täter-Opfer-Ausgleich haben 291 Beschuldigte und 314 Geschädigte teilgenommen. Das Angebot der Wiedergutmachungskonferenzen wurde von 30 Beschuldigten, 21 Geschädigten und 7 Beteiligten aus dem sozialen Umfeld wahrgenommen.

In 64 Prozent der Fälle kam es zu einer konstruktiven Begegnung zwischen den Beteiligten. In 36 Prozent wurden die Beteiligten nicht erreicht oder das Angebot von mindestens einer der beteiligten Parteien nicht angenommen.

Bearbeitet wurden ein breites Spektrum an Fällen. Körperverletzung machen den größten Anteil der Fälle aus, gefolgt von Häuslicher Gewalt, Eigentumsdelikten, Raub, Bedrohung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Verleumdung. In der Bearbeitung der Fälle mit Jugendlichen bei Mobbing- und Chatkonflikten gibt es zunehmend schwierigere Fallkonstellationen. Insbesondere bei solchen, die mit einer Strafanzeige verbunden sind, zeigt es sich, dass die Einbindung der Eltern wichtig ist.

Mit Hilfe des Landes und der Kommunen, Spenden, Geldbußen und nicht zuletzt durch Fördermitgliedschaften besitzt der Verein eine finanzielle Basis, die noch ausbaufähig ist. Daher werden interessierte Fördermitglieder gerne aufgenommen.

Kontakt:

Konfliktschlichtung e.V.
Kaiserstraße 7
26122 Oldenburg
www.konfliktschlichtung.de

Konfliktschlichtung Logo







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